Start/Forschung/Niederfeld-MRT

Forschung

Niederfeld-MRT

Die Magnetresonanztomographie (MRT) hat sich über die Jahre vor allem durch immer stärkere Magnetfelder weiterentwickelt. Höhere Feldstärken verbessern die Signalqualität und ermöglichen so schärfere Bilder und eine höhere diagnostische Genauigkeit. Diese sogenannten Hochfeld-MRT-Systeme, die typischerweise mit 1,5 Tesla oder mehr arbeiten, sind jedoch teuer und auf eine spezialisierte Infrastruktur angewiesen. Gerade in Regionen mit begrenzten Ressourcen stehen sie daher oft nur eingeschränkt zur Verfügung.

Genau hier setzt unser Niederfeld-MRT Lab an. Die Niederfeld-MRT (engl. Low-Field MRI) arbeitet mit deutlich geringeren Feldstärken von unter 200 mT. Solche Systeme kommen ohne aufwendige Infrastruktur wie Kryokühlung oder eine HF-Schirmkammer aus und lassen sich kompakt und mobil bauen. Damit umgehen sie die zentralen Hürden der Hochfeld-MRT:

  • deutlich geringere Kosten in Anschaffung und Betrieb
  • Einsatz ohne spezielle Räume oder Gebäudetechnik
  • mobile Bildgebung direkt am Patientenbett oder vor Ort
  • Zugang zur MRT auch in Regionen mit begrenzten Ressourcen

Die zentrale Herausforderung ist das schwächere Signal. Wir arbeiten daran, die Bildqualität der Niederfeld-MRT zu verbessern und neue Anwendungsfelder zu erschließen.

Niederfeld-MRT-Scanner mit eingesetztem Wasserphantom
Kopf- und Extremitätenscanner mit 47 mT Feldstärke und eingesetztem Wasserphantom.
Rekonstruiertes MRT-Bild des Wasserphantoms
Bildrekonstruktion des Wasserphantoms (RARE-Sequenz, 3 min Messzeit).
3-Achsen-Gradientenspulen
3-Achsen-Gradientenspulen vor dem Einbau in die Magnetbohrung.

Forschungsthemen

In unserem Niederfeld-MRT Lab erforschen und entwickeln wir an der gesamten Kette der Niederfeld-MRT, von der Mechanik über die Elektronik bis zur Bildrekonstruktion. Hardware und Software, Optimierungsverfahren und KI-gestützte Algorithmen greifen dabei in allen Themenfeldern ineinander. Innovative Konzepte und neue Anwendungsfelder entwickeln wir in enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer MEVIS und der internationalen Open-Source-Community.

Innovatives Magnetdesign

In diesem Forschungsfeld entwickeln wir neue Methoden zur Auslegung statischer Magnetfelder und Gradientenfelder mit resistiven Spulen und Permanentmagneten. Durch optimierte Magnetkonfigurationen wie Halbach-Arrays und adaptive Abschirmungen erreichen wir eine höhere Feldhomogenität, Stabilität und Kosteneffizienz – entscheidende Faktoren für die Leistungsfähigkeit von LF-MRT-Systemen. Eine robotergestützte Automatisierung sichert die Fertigungsqualität; die Messdaten fließen direkt in unsere Simulationsumgebung zurück und ermöglichen eine iterative Optimierung.

Schema der Magnetkuppel mit HF-Spule
Schema der „Kuppel“ mit innenliegender HF-Spule. Die Würfel stellen die in Position und Ausrichtung optimierten Neodym-Magnete dar; die HF-Spule wurde mit einem Stromfunktionsverfahren optimiert.
Robotergestützte Hall-Sensor-Vermessung einer Magnetschicht
Vermessung einer einzelnen Magnetschicht mit einem automatisierten, robotergestützten Hall-Sensor-Aufbau. Auf Basis dieser Messdaten wird die Magnetfeldoptimierung iterativ angepasst.

Elektronik und Sensorik

Die Bildqualität eines MRT-Systems hängt maßgeblich von seiner Elektronik ab. Die Atomkerne im Körper senden nur ein sehr schwaches Funksignal aus, das bei niedrigen Feldstärken noch geringer ist. Zudem verändert sich das Feld von Permanentmagneten mit der Temperatur und damit auch die Resonanzfrequenz der Kerne. Wir entwickeln daher rauscharme Empfangsketten mit Vorverstärkern und Sende-Empfangs-Umschaltern sowie Hall-Sensorik, die das Magnetfeld fortlaufend erfasst. Auf Basis dieser Messwerte wird die Larmorfrequenz während der Bildaufnahme automatisch nachgeführt.

Hall-Sensor-Array auf einer Leiterplatte
Hall-Sensor-Array auf einer Leiterplatte zur Überwachung des B0-Feldes. Die Messdaten fließen in die KI-gestützte Bildrekonstruktion ein.
Sende- und Empfangselektronik des Niederfeld-MRT-Scanners
Komponenten der Sende- und Empfangselektronik unseres Niederfeld-MRT-Scanners.

Neue Bildgebungsverfahren

Wir erforschen innovative Bildgebungsmethoden, insbesondere das Design von Pulssequenzen, um das Potenzial der LF-MRT voll auszuschöpfen. Diese Verfahren reduzieren Off-Resonanz-Effekte und die spezifische Absorptionsrate (SAR) und ermöglichen so eine flexiblere und präzisere Bildgebung. Lungengewebe, Herzstrukturen sowie Regionen in der Nähe metallischer Implantate lassen sich dadurch besser darstellen – ein deutlicher Zugewinn an diagnostischen Möglichkeiten. Einen besonderen Schwerpunkt legen wir auf hochspezialisierte MRT-Sequenzen für Screening-Anwendungen.

Signalmodellierung mit maschinellem Lernen und physikalischen Modellen

Durch die Verbindung von künstlicher Intelligenz und physikbasierten Modellen verbessern wir die Signalverarbeitung in der LF-MRT. Algorithmen des maschinellen Lernens, etwa zur universellen Rauschunterdrückung, gleichen das geringe Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) aus und ermöglichen eine schnellere, klarere und zuverlässigere Bildgebung. So wird die LF-MRT zu einem wettbewerbsfähigen und robusten Werkzeug für die medizinische Diagnostik.

Und vieles mehr

Sie interessieren sich für unsere Forschung oder möchten mit uns zusammenarbeiten? Sprechen Sie uns gerne an – die Ansprechpersonen finden Sie unter Kontakt.

Projekte

DeLoRI-Projektlogo

DeLoRI

Dedicated Low-field MRI for Breast

Ein Niederfeld-MRT-System speziell für das Brustkrebs-Screening, das Früherkennung kostengünstig und breit verfügbar machen soll.

Im Projekt DeLoRI (Dedicated Low-field MRI for breast) entwickeln wir ein Niederfeld-MRT-System, das gezielt auf das (Brust-)Krebs-Screening zugeschnitten ist. Das Projekt soll zeigen, welches Potenzial die Niederfeld-MRT für Früherkennung und Diagnose bietet – insbesondere für medizinisch unterversorgte Bevölkerungsgruppen. Durch die Verbindung moderner Technologien mit innovativen Methoden wollen wir die medizinische Bildgebung neu denken und den Weg zu einer inklusiveren, zugänglicheren und wirkungsvolleren Gesundheitsversorgung ebnen.

Abschlussarbeiten

Wir bieten zahlreiche Abschlussarbeiten entlang der gesamten Entwicklungskette der Niederfeld-MRT an. Je nach Profil lassen sich die Arbeiten auf magnetische Systeme, Elektronik- und Firmware-Entwicklung oder Charakterisierung ausrichten – oder auf Softwareentwicklung, Datenanalyse und Algorithmenentwicklung.

Eine Übersicht aller aktuellen Ausschreibungen finden Sie hier.

Kooperationspartner

Kontakt

Yannick Kuhl

Dr.rer.nat.

Gruppenleiter „Low-Field MRI Lab“
Ansprechperson „allgemein“

+49 241 80 27868yannick.kuhl@lfb.rwth-aachen.de

Ausgewählte Publikationen

  • Lavronenko K., Ochsendorf M., Thull J., Schulz V. (2025). Differentiable Dipole-Based Optimization of Permanent Magnets for Homogeneous B0 Fields in Low-Field MRI. Magnetic Resonance Materials in Physics, Biology and Medicine, 38(Suppl. 1), S1–S889. Book of Abstracts, ESMRMB 2025, 41st Annual Scientific Meeting, 8.–11. Oktober 2025. https://doi.org/10.1007/s10334-025-01278-8
  • Ochsendorf M., Lavronenko K., Schulz V. (2025). Nonlinear Model-Based B0 Field Compensation in Low-Field MRI Using Hall Sensor Arrays and Spatial Interpolation. Magnetic Resonance Materials in Physics, Biology and Medicine, 38(Suppl. 1), S1–S889. Book of Abstracts, ESMRMB 2025, 41st Annual Scientific Meeting, 8.–11. Oktober 2025. https://doi.org/10.1007/s10334-025-01278-8
  • Lavronenko K., Yilmaz R., Chen Z., Stegmaier J., Schulz V. (2026). Atlas-Augmented Semantic Segmentation for Robust Ultra-Low-Field Pediatric Brain Imaging. In: Lepore N., Linguraru M. G. (Hrsg.), Low Field Pediatric Brain Magnetic Resonance Image Segmentation and Quality Assurance. LISA 2025. Lecture Notes in Computer Science, Bd. 16411. Springer, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-032-14417-1_8
  • Ochsendorf M., Keunecke S. C., Hüsing M., Corves B., Schulz V. (2027). Modular Piggyboard-Based Segmented IC Architecture for Deterministic Multi-Sensor Integration in Mechatronic Systems. In: Nguyen V. L., Nguyen P. D., Quang Hoang N., Carbone G. (Hrsg.), Robotics and Mechatronics. ISRM 2026. Mechanisms and Machine Science, Bd. 213. Springer, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-032-29469-2_17

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

English translation below.
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen" sollten, um das bestmögliche Surferlebnis zu erhalten. Sie können diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder Sie klicken unten auf "Accept" und stimmen der Nutzung der Cookies zu.

In den Cookies werden lediglich die von Ihnen gewählten Spracheinstellungen gespeichert. Bitte lesen Sie auch unsere Datenschutzerklärung.


The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Only your chosen language settings are stored in the cookies. Please also read our privacy policy.

Close